EPS-Granulat: Bestandteil von gebundenen Schüttungen

EPS-Granulat: Bestandteil von gebundenen Schüttungen

EPS-Platten als Teil des Bodenaufbaus

EPS-Platten als Teil des Bodenaufbaus

Polystyrol als Schadstoffquelle im Innenraum?

bauXund begleitet seit mehr als 20 Jahren als bauökologischer Konsulent Bauvorhaben mit einem Produkt- und Chemikalienmanagement zur Sicherstellung einer gesunden Raumluft. In dieser Zeit hat sich sowohl der Schadstoffgehalt als auch das Emissionsverhalten von Bauprodukten signifikant verbessert. Gleichzeitig etablierte sich das von bauXund entwickelte und im Jahr 2001 erstmals erprobte Produkt- und Chemikalienmanagement am Markt. Es wurde etwa fixer Bestandteil jedes Gebäudeaudits von klimaaktiv über ÖGNI bis Taxonomie.

„In den letzten Jahren waren bei Projekten mit Bauteilaktivierung wiederholt erhöhte Konzentrationen an aromatischen Kohlenwasserstoffen in der Raumluft nachweisbar.“, sagt bauXund-Geschäftsführer Dr. Thomas Belazzi. „Da in den heute verwendeten, bauökologisch geprüften Bauprodukten keine relevanten Mengen an aromatischen Kohlenwasserstoffen enthalten sind, war deren Nachweis am Beginn sehr überraschend.“ Nach längeren bauXund-Recherchen und Fachdiskussion mit Innenraumexpert:innen ergab sich der Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit gebundenen EPS-Schüttungen und EPS-Dämmplatten im Bodenaufbau gibt, wenn das Projekt auch eine Bauteilaktivierung hat.

„Die identifizierten aromatischen Kohlenwasserstoffe sind mit der Synthesekette des Polystyrols von Benzol über Ethylbenzol zu Styrol übereinstimmend,“ stellt bauXund-Chemiker Thomas Belazzi fest. „Es schien, als würde bei der Inbetriebnahme der Bauteilaktivierung die im EPS eingeschlossenen Reststoffe der Herstellungskette wie Styrol ausgetrieben werden.“

Eine aktuelle Studie des Wiener Chemischen Labors „IBO Innenraumanalytik OG“, langjährige Expert:innen für Innenraumschadstoffe, im Auftrag des Umweltministeriums untersuchte diese Fragestellung an Hand von Polystyrol-Dämmstoff-Produkten von neun Herstellern, die 2025 auf Wiener Baustellen entnommen wurden.

Die interessanten Studienergebnisse[1]:

  • Styrol, Ethylbenzol und Xylole, alles Produkte der EPS-Synthesekette, stellten 90–95 % der Aromatensumme dar, wobei Styrol als Leitsubstanz die Emission dominierte.
  • Zwischen den untersuchten EPS-Produkten zeigte sich eine bis zu 60-fache Variation der Styrol-Emissionen und es gab auch keine klare Herstellerabhängigkeit.
  • Die Aromaten-Emissionen nahmen über die Zeit deutlich ab, blieben bei einzelnen Schüttungen auch nach 56 Tagen erhöht. Es bestehen damit der Hinweis auf langlebige VOC-Depots und damit das Potential einer längerfristigen Raumluftbelastung durch diese aromatischen Kohlenwasserstoffe.

„Diese Studie verstärkt das Wissen über die Zusammenhänge zwischen EPS-Produkten im Bodenaufbau und Emissionen von aromatischen Kohlenwasserstoffen im Innenraum. Es zeigt sich, dass besonders in der ersten Heizperiode verstärkt gelüftet werden muss, um eventuell austretende Schadstoffe wegzulüften“, schließt Belazzi mit einem Praxistipp. „Es bedarf aber auch noch mehr Forschung, etwa um die Gründe für das sehr stark unterschiedlichen Emissionsverhaltens verschiedener EPS-Produkte zu verstehen.“

[1] Emissionen aus Polystyrol-Baustoffen: Aromaten und Ammoniak, Autor: SV DI Bernhard Damberger, IBO Innenraumanalytik OG, Wien, November 2025