Leopold Kasseckert © DPM Holzdesign
Einblasvorgang in Holzwand © DPM Holzdesign
Einblasstroh © DPM Holzdesign
Wohnhausanlage Boheimkirchen © DPM Holzdesign
„Dem Frühstücksemmerl sei Dank“
Interview mit Leopold Kasseckert, Eigentümer der niederösterreichischen DPM-Gruppe, zu der der Einblasdämmstoff Iso-Stroh gehört.
Das Interview führt Dr. Thomas Belazzi, Geschäftsführer der bauXund gmbh.
Belazzi: Bitte um eine kurze Vorstellung Ihrer Person und Firma.
Kasseckert: Ich bin der Geschäftsführer der DPM Holzdesign GmbH, die ich im Jahr 2000 als Tischlerei gegründet habe. Heute besteht die DPM-Gruppe aus einer Tischlerei, Zimmerei und Modulbau. Das passt gut zusammen. Wir errichten Räume und statten diese aus. Zusätzlich arbeiten wir auch als Generalunternehmer und Bauträger. Unser Firmensitz ist in Kasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich.
Belazzi: Und wie wurde die Stroh-Einblasdämmung mit dem Markennamen „Iso-Stroh“ zu einem Ihrer Geschäftsfelder?
Kasseckert: Das war 2016. Wir bearbeiteten ein Projekt, wo Stroh als Dämmstoff zum Einsatz kommen sollte. Ich wollte nicht Strohballen, sondern Einblasstroh verwendet, so wie es für Zellulose oder Mineralwolle bereits damals etabliert war.
Belazzi: Stroh-Einblasdämmung gab es damals noch nicht?
Kasseckert: Richtig. Es gab früher bereits Bemühungen von unterschiedlichen Stellen, aber die führten zu keiner marktreifen Technologie. Wir schafften diese Entwicklung innerhalb eines Jahres und haben einen patentierten Prozess entwickelt. Kritisch in der Strohverarbeitung sind die Wachstumsringe des Halms, diese müssen durch Schneiden, Cracken und Hacken so zerkleinert werden, damit das Einblasen mit einer hohen Dichte möglich ist. Heute setzen wir Stroh bei fast allen unseren Projekten bis Gebäudeklasse 3, auch 4, erfolgreich ein.
Belazzi: Warum Stroh?
Kasseckert: Die Ökobilanz ist sehr gut wie unsere EPD zeigt. Stroh ist ein landwirtschaftliches Grundprodukt, dass in großen Mengen anfällt. Der Wärmeschutz ist gut, die Wärmespeicherkapazität und der Schallschutz sind aufgrund hoher Dämmungsdichte mit bis zu 135kg/m³ hervorragend und die Phasenverschiebung ist deutlich besser als bei anderen Dämmstoffen. Dieses Gewichtsplus erhöht den Nutzkomfort im Sommer deutlich, reduziert gleichzeitig den Kühlbedarf und damit die laufenden Betriebskosten massiv. Dadurch amortisieren sich die höheren Dämmstoffkosten in wenigen Jahren.
Belazzi: Warum Einblasdämmung und keine Strohplatten?
Kasseckert: Einblasen ist sehr wirtschaftlich, weil schnell, kein Verschnitt, füllt alle Winkel aus und ist sauber. Bei unserer Einblasdichte von mindestens 105 kg/m³ gibt es keine Setzungen. Wenn noch besserer Schallschutz bzw. Phasenverschiebung gewünscht ist, kann die Dichte auf 135kg/m³ erhöht werden.
Belazzi: Sie verwenden Weizenstroh. Warum diese Getreidesorte?
Kasseckert: Weizenstroh ist am besten verfügbar. Ca. 80% des anfallenden Strohs ist Weizenstroh, dem Frühstücksemmerl sein Dank. Weizen wird weltweit angebaut, daher ist Weizenstroh auch weltweit verfügbar.
Belazzi: Wieviel Tonnen Stroh-Einblasdämmstoff erzeugen Sie pro Jahr?
Kasseckert: 2025 waren es etwa 1.000 Tonnen, mit deutlichem Zuwachs zum Vorjahr. Wir sind zuversichtlich, dass es nun rasch mehr wird. Das soll über unser Iso-Stroh Franchisesystem in Deutschland, Schweiz und Österreich erfolgen.
Belazzi: Wie funktioniert dieses?
Kasseckert: Die Anlagen steht jeweils in einer Getreideregion. Ziel ist es das lokale Weizenstroh zu verarbeiten und in einem 200 km Radius auszuliefern. Bereits auf 300 m² Hallenfläche kann man eine Produktion aufbauen. Der Franchisenehmer kauft die Maschinen, bekommt das technische Know-how für die Produktion ebenso wie die produkttechnischen Nachweise, etwa Brandtests und die EPD. Wir halten alle notwendigen Zulassungen aktuell. Dafür zahlt der Franchisenehmer eine Franchisegebühr pro m³ verkauftem Dämmstoff.
Die Einbläser, welche das Material dann in die Bauteile einbringen, absolvieren eine Ausbildung in zwei Teilen, zuerst vom Einblasmaschinenerzeuger z.B. X-Floc für die Maschinentechnik. Und wir machen einen eintägigen Aufbaulehrgang für das perfekte Einblasen der Strohdämmung.
Belazzi: Sind im Stroh noch Getreidekörner?
Kasseckert: Nein, unsere Crackanlage hat einen geringen Materialspalt, da kommt kein Korn durch. Anschließend werden diese Bruchstücke bei der mehrstufigen Entstaubung abgesaugt. Daher sind wir kornfrei.
Belazzi: Auf welche Projekte mit Iso-Stroh als Dämmstoff sind Sie besonders stolz?
Kasseckert: Dazu zählen der Neubau „Gärtnerhaus“ der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien mit dem Bauherr BIG, das Baugruppenprojekt „Assemblage Niklas Eslarn“ in Wien mit 30 Wohnungen, das Wohnprojekt „LIFE Cycle Habitation“ in Böheimkirchen mit 17 Wohnungen und das 6-geschoßiges Wohnprojekt „Ecopolis“ in Lausanne, Schweiz mit 25 Wohnungen.
Belazzi: Wenn Sie einen Wunsch zum besprochenen Thema Holz mit Strohdämmung an die Fee hätten, der sicher in Erfüllung geht, was wäre dieser?
Kasseckert: Der politische Wille für nachhaltiges, CO2-armes Bauen ist da, sollte aber schneller und stärker am Markt ankommen. Wenn wir für jede Tonne CO2, die wir etwa mit Holz und Stroh über Jahrzehnte einspeichern, einen 50 Euro CO2-Bonus bekommen würden, dann würde damit ein ganz wichtiger Lenkungseffekt am Markt erzeugt werden. Gleichzeitig sollte die öffentliche Hand mehr Druck auf das Bauen von nachhaltigen Gebäuden mit nachwachsenden Rohstoffen erzeugen.
Wien, im März 2026
