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Trockenes Altholz spart Prozessenergie © HFA
Von gebrauchtem BSH zu Stablamellen © HFA
Mobile Schwermetallanalysen © ACR/schewig-fotodesign
Aufbereitetes Altholz von einem Anfallsort © HFA
Zerlegung von Holzfenster für neue Nutzung © HFA
„Altholz kann nur 10% des Frischholzes ersetzen“
Interview mit Dr. Martin Weigl-Kuska, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft an der Holzforschung Austria.
Das Interview führt Dr. Thomas Belazzi, Geschäftsführer der bauXund gmbh.
Belazzi: Bitte um eine kurze Vorstellung von Ihnen und Holzforschung Austria.
Weigl-Kuska: Ich bin Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft an der Holzforschung Austria, arbeite hier seit 13 Jahren. Ich habe eine Chemie-HTL absolviert und dann an der BOKU Holzwirtschaft studiert und auch promoviert. Nach einigen Jahren in der Forschung und der Industrie bin ich zur Holzforschung gekommen.
Die Holzforschung Austria ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut mit drei Geschäftsfeldern. Forschung & Entwicklung. Prüfung, Inspektion, Zertifizierung und Eichung sowie Wissenstransfer. Bei letzterem bieten wir Seminare an, machen Veranstaltungen wie das Kreislaufforum Holz und verfassen Publikationen in Fachmedien.
Die Holzforschung Austria ist ein gemeinnütziger Verein. Die Mitgliederstruktur orientiert sich an der Wertschöpfungskette Holz ab dem Rundholz, d.h. alles nach dem Forst. Es gibt hier viele Branchen – von der Sägewirtschaft über Holzwerkstoffe und Holzbaubereich und dem Innenausbau bis zum Koppelprodukt Pellets.
Belazzi: Sie haben das Kreislaufforum Holz angesprochen. Was ist das?
Weigl-Kuska: Tue Gutes und sprich darüber. Getreu diesem Motto veranstalten wir dieses zum zweiten Mal am 17.9.2026 in Wien. Ziel ist es Erkenntnisse aus Praxis zur Zirkularität von Holz zu transportieren, Infos von der Branche für die Branche und die Vernetzung mit den Partnern. Es wird Vorträge zu kreislauffähigen Planen mit Holz, zu Möglichkeiten Altholz in neuen Produkten zu verwenden, zum Umgang mit Schadstoffen im Altholz und zu den Massenströmen in der Holzwirtschaft und vieles mehr geben.
Belazzi: Was sind die zentralen Themen in Ihrem Arbeitsbereich Kreislaufwirtschaft?
Weigl-Kuska: Mein Fachbereich kommt aus der Umweltanalytik, das Thema Altholz gibt es seit den 1990er Jahren. Heute geht es um die Umsetzung der Recyclingholz- und der Altholz-Verordnung. Analytisch sind Biozide wie PCP und Lindan, PAK, Schwermetalle, Schwefel und Chlor zentrale Parameter.
Belazzi: Wieviele Prozent der Abfallholz geht in Österreich in die thermische Verwertung, sprich: Verbrennung - und wieviel wird materiell genutzt?
Weigl-Kuska: 70-80% des Altholzes gehen in Österreich in die Spanplatte und das seit vielen Jahren, der Rest in die thermische Verwertung. Unser Projekt Triple A Holz, Altholz Aufkommen Austria, belegt dies.
Belazzi: Warum gerade die Spanplatte?
Weigl-Kuska: Hammermühlen zerkleinern das Altholz für Spanplatten, diese sind gegenüber Metallteilen im Altholz relativ unempfindlich, ganz anders als Sägen für hochwertigere Anwendungen.
Belazzi: Die Spanplatte ist damit derzeit der einzige materielle Verwertungspfad?
Weigl-Kuska: Ja, weitgehend. Ziel sind höherwertige Szenarien, kein spanen, sondern die Holzstrukturen erhalten. Das wäre auch ökologisch vorteilhaft, denn Altholz ist schon getrocknet und regional verfügbar. Es hat daher deutlich weniger Primärenergieverbrauch als neue Holzprodukte aus Rundholz.
Belazzi: Wie hoch ist der Altholz-Anfall in Österreich? Wieviel Frischholz könnte Altholz ersetzen?
Weigl-Kuska: Es geht nicht um einen Wettbewerb mit dem Forst. Abfallstatistiken zeigen, dass nur 10% des Altholzes Frischholz ersetzen kann.
Belazzi: Was hemmt die Weiterverwendung von Altholz?
Weigl-Kuska: Die Produktnormen müssen Altholzeinsatz zulassen und eventuell erforderliche zusätzliche Kriterien, etwa für Emissionen und Schadstoffen im Holz, definieren oder einen eigenen Stoffstrom für Altholz definieren. Diese Prozesse laufen, sind aber noch nicht abgeschlossen.
Belazzi: Und wie ist es heute, in der Zeit vor diesen neuen Normen?
Weigl-Kuska: Es gibt seit Jahren die gelebte Praxis der Haftung der Planenden bzw. des Holzherstellers zum Altholzeinsatz. Geschlossene Materialkreiskäufe funktionieren nur, wenn der Neueinsatz absehbar ist, es nur eine Zwischenlagerung vor dem nächsten Einsatz gibt. Heute schon nehmen einzelne spezialisierte Unternehmen Filetstücke beim Holzrückbau, etwa Dippelbaumdecken, heraus und verkaufen diese überarbeitet für hochpreisige Anwendungen. Etwa als Dreischichtplatten für Innenausbau mit Dekorfunktion. Aktuell sind die Mengen in diesem Sortiment aber sehr klein. Diese Schwelle kann nur mit Produktnormen überschritten werden.
Hauptziel ist Sortimente aus der thermischen Fraktion in die materielle Nutzung zu überführen, störende Produkteigenschaft, etwa Kunststoffbeschichtung zu entfernen. Dann kann es zurück in die Holznutzungskaskade kommen. Und wenn erforderlich, werden die Kontamination etwa durch Schwermetalle oder Biozide entfernt. So ist etwa bei Altholz aus Fenstern nur weniger als der erste Millimeter mit Blei aus alten Pigmenten kontaminiert. Wenn diese Beschichtung abgetragen ist, sind Sekundärnutzungen gut möglich, etwa Holz aus Altfenstern in der Zwischenschicht von Parkettböden zu nutzen. Die Grenzwerte werden eingehalten, das zeigen unsere Untersuchungen.
Belazzi: Was ist mit kesseldruckimprägniertem Holz?
Weigl-Kuska: Da ist das Biozid sehr tief im Holz, das muss derzeit verbrannt werden. Hierfür gibt es derzeit keine andere technische Lösung.
Belazzi: Es gibt seit über einem Jahr den ReParkett der steirischen Firma Weitzer Parkett. Das ist für mich ein sehr schönes Beispiel einer Nutzungsdauerverlängerung.
Weigl-Kuska: Genau. Altes Eichenparkett aus Gründerzeithäusern wird so rückgebaut, dass dessen Struktur geschont wird. Dann wird das Holz werkseitig gesichtet, überarbeitet und mit einer neuen Oberfläche versehen. Das ist aus der CO2-Perspektive ein sehr nachhaltiges Produkt.
Belazzi: Gibt es noch andere Beispiele von überarbeiteten genutzten Produkten?
Weigl-Kuska: Es gibt in Österreich Fensterkantel-Hersteller, die ebenfalls Altholz sägen und weiterverarbeiten. Auch Dreischichtplatten werden so hergestellt. Über Marketing wird dies auch kommuniziert, die Ästhetik von Altholz ermöglicht, höherpreisige Produktpreise. Technisch weitestgehend fertig entwickelt, aber noch nicht am Markt erhältlich, sind Brettsperrholzplatten mit Altholzlamellen, zumindest bei ausgewählten Unternehmen.
Belazzi: Das heißt, bei Holzprodukten steht die Weiterverwendung nach Ende der Erstnutzung, abgesehen von der Spanplatte, erst am Anfang. Ich denke, die neue EU-Gebäude-Richtlinie EBPD und die dort verankerte Ökobilanz-Plicht wird diese Entwicklungen beschleunigen.
Weigl-Kuska: Ich denke ja. Ökobilanzen werden alle 5 Jahre aktualisiert, selten früher. Wir beraten Produzenten, um Verbesserungen zu erreichen. Eine Strategie ist auch das Bewusstsein mit Forschungsprojekten zu schaffen, dass Altholz CO2-mäßig gegenüber Frischholz beträchtliche Vorteile hat, weil es keine Trocknung benötigt. Von vielen dieser Projekte sind Projektberichte auf unserer Homepage downloadbar, etwa von TimberLoop.
Belazzi: Es gibt auch eine wirtschaftliche Logik. Denn die EBPD verlangt ab 2028 für alle neuen Gebäude über 1000 m² und dann ab 2030 für alle Neubauten, dass für diese eine Ökobilanz erstellt werden muss. Und gleichzeitig gibt es Anreize, etwa durch Förderungen, Wettbewerbe, Zertifizierungen, dass diese Gebäude-Ökobilanz deutlich besser als durchschnittlich sind. Weiters ist gesetzlich festgelegt, dass die Zielwerte jährlich abgesenkt werden. Wir als bauXund sind mittlerweile tagtäglich mit solchen Ökobilanz-Optimierungen beschäftigt, vor zwei Jahren war das für viele noch gar kein Thema. Der Druck der EBPD bzw. die damit zusammenhängenden Anreize hängen bildlich gesprochen als Karotten der Bau- und Immobilienbranche schon von der Nase.
Weigl-Kuska: Das ist der springende Punkt. Die Pflicht zur Ökobilanz allein wird nicht viel bewirken, es braucht zusätzlich die Anreize für die Optimierung, die es nun auch bereits gibt.
Wien, im September 2026
